«ICH FREUE MICH IMMER RIESIG, WENN ICH MICH MIT UNSEREN GÄSTEN IN DER FRIDOLINSHÜTTE ÜBER WANDERERLEBNISSE AUSTAUSCHEN KANN.»
Gabi Aschwanden, Initiantin Via Glaralpina

Gabi Aschwanden
Gabi Aschwanden pausiert nach dem steilen Aufstieg für ein paar Minuten -und strahlt. Sie fühlt sich sichtlich wohl, schliesslich kennt sie die Glarner Berge wie ihre Westentasche. Mühelos benennt sie nicht nur die umliegenden Gipfel, sondern auch die Blumen und Pilze, die am Wegrand wachsen. Ihr grosses Wissen über die Glarner Berglandschaft teilt sie jederzeit gerne. Für die fürsorgliche Hüttenwartin und diplomierte Wanderleiterin ergeben sich dazu auch viele Gelegenheiten. Für die Gastfreundschaft – für ein starkes Glarnerland!
Im Gespräch

Er ist 210 Kilometer lang und führt in 19 Etappen rund um den Kanton Glarus – der neue Weitwanderweg Via Glaralpina überwindet 20 Gipfel und 17 000 Höhenmeter. Das bestehende, über 1000 Kilometer lange rot-weisse Wanderwegnetz wird um elf weitere Kilometer blau-weisse Routen ergänzt und damit noch attraktiver.
Gabi Aschwanden, Sie sind die Initiantin des Weitwanderwegs Via Glaralpina. Wie ist die Idee entstanden?
Wissen Sie, ich habe immer viele Ideen – dafür bin ich bekannt. Die Idee zur Via Glaralpina ist im Tessin entstanden, bei einer Wanderung auf dem Weitwanderweg Via Alta della Verzasca. Da habe ich gedacht: Wir haben so ein wunderbares Bergpanorama in Glarus, aber keinen Weitwanderweg. Das kann doch nicht sein, schliesslich liegt Weitwandern absolut im Trend!
Und dann haben Sie sich entschlossen, dieses Projekt anzugehen?
Richtig. Ich habe sofort einem Freund von meiner Idee erzählt und er war begeistert. Er meinte dann: «Gabi, das ist eine super Idee – aber wo fangen wir an?» Darauf hatte ich zunächst auch keine Antwort. Und wo haben Sie schliesslich angefangen? Dass das Projekt tatsächlich so schnell ins Rollen kam, haben wir auch einem Zufall zu verdanken. Der Verein Glarner Wanderwege suchte nämlich genau zu diesem Zeitpunkt nach einem Projekt für zweckgebundene Gelder. Da haben wir uns natürlich gleich gemeldet. Auch hier stiessen wir auf grosse Begeisterung – der Verein hat sofort die Trägerschaft übernommen.
Und wie ging es weiter?
Als Erstes haben wir dann die Glarner Kantonalbank angefragt, ob sie das Hauptsponsoring übernehmen würde. Wiederum hatten wir viel Glück. Die Bank war vom Projekt überzeugt und stimmte rasch zu. Das war quasi der Startschuss. Anschliessend machten wir uns auf die Suche nach weiteren Sponsoren – für die einzelnen Etappen. Mit der Glarner Kantonalbank als starke Partnerin im Rücken hatten wir natürlich eine sehr gute Ausgangslage dafür.

Warum ist Wandern derzeit so populär und beliebt?
Ich glaube, es ist das Gruppengefühl, das die Leute suchen. Das gemeinsame Erlebnis, bei dem Gross und Klein mitmachen können. Sie möchten ihrem hektischen Alltag entfliehen und das Echte, Wahrhafte spüren – ein Gefühl von Heimat und Natur pur.
Was macht die Via Glaralpina besonders?
Mit den zusätzlichen Etappen bieten wir Wanderern neue Herausforderungen und Ziele. Die blau-weissen Markierungen kennzeichnen die schwierigsten markierten Etappen in der Wanderwegkategorie – sie führen teilweise über Schneefelder, Gletscher oder Geröllhalden und an Felsen entlang mit kurzen Kletterstellen. Das Wandern wird durch diese neuen Strecken gewissermassen zur Challenge für die Wanderer. So wie die Bergsteiger den Gipfel als Ziel haben, brauchen auch Wanderer ein Ziel. Das möchten wir mit den neuen Routen bieten. Und vielleicht wächst beim einen oder anderen jetzt auch der Ehrgeiz, die gesamten 210 Kilometer zu meistern!

Was waren die grössten Herausforderungen bei der Umsetzung?
Das Schwierigste für mich persönlich war es, nicht aufzugeben und stets dranzubleiben. Wir hatten mit einigen Rückschlägen zu kämpfen, denn vieles kam anders, als wir es uns vorgestellt hatten – gerade betreffend Routenführung. Man hat eine genaue Vorstellung von einer Route – und dann war sie nicht umsetzbar, weil das Land jemandem gehörte, es sich um geschütztes Gebiet handelte oder weil wir die Bewilligung nicht erhielten. Dann mussten wir jeweils einen anderen Weg finden. Allgemein war es oft eine Herausforderung, die nötigen Bewilligungen zu erhalten.

Weil die Gemeinde haftet?
Genau, gemäss Gesetz haftet die Gemeinde bei technischen Einrichtungen. Sämtliche Installationen müssen jetzt jährlich geprüft werden. Wir haben deshalb beschlossen, vorerst einmal mit zehn Etappen zu starten, den Klassikern sozusagen.
Klingt so, als wäre das erst der Anfang?
Wer weiss? Weitere Etappen und Ideen hätte ich auf jeden Fall im Kopf.
Wie muss man sich das vorstellen – wie entscheiden Sie, wo eine Etappe durchführt?
Der Vorteil ist: Ich kenne die Glarner Berge sehr gut. Daher weiss ich stets genau, wo ich bin und wo ich hinkomme, wenn ich beispielsweise einen Grat entlanggehe. Ich weiss, wie anspruchsvoll der Weg ist. Das bestehende Wandernetz um spannende und herausfordernde neue Etappen zu erweitern, macht mir grosse Freude.
Am 6. Juli ist Eröffnung der Via Glaralpina. Was bedeutet Ihnen das?
Ich freue mich jetzt schon riesig, denn für mich ist die Via Glaralpina ein Herzensprojekt. Ich werde sicherlich am 6. Juli den Weitwanderweg starten – und schauen, wie weit ich komme.
Weitere Informationen finden Sie unter www.via-glaralpina.ch

Fotografie und Lithografie: Reinhard Fasching, Bregenz